Das berufliche Huhn-Ei-Drama

Stell dir vor, du bewirbst dich auf „Teamlead Customer Service“ und die Anzeige brüllt: „Min. 3 Jahre Personalverantwortung erforderlich!“ Klar, logisch – wer soll sonst das Team motivieren, Konflikte lösen und Deadlines jonglieren? Aber warte: Wie zum Teufel soll jemand diese Erfahrung sammeln, wenn niemand ihm je ein Team anvertraut hat? Es ist, als würde ein Autohaus verlangen: „Fahrer mit 10.000 km Erfahrung – aber wir verkaufen keine Autos an Anfänger!“ Firmen fischen nach fertigen Perlen, ohne selbst Muscheln zu öffnen.

Unternehmen argumentieren: „Risiko zu hoch!“ Klar, ein Neuling könnte scheitern, Chaos anrichten oder – horror! – Kaffeepausen falsch planen. Stattdessen holen sie den „Erfahrenen“ von der Konkurrenz, der sein Team quasi im Rucksack mitschleppt. Aber hey, der Neue braucht ja Zeit, um eure internen Abkürzungen (MYST: Meeting-Yberraschendes-Sprach-Tohuwabohu) zu knacken – Zeit, in der dein Team weiterhin ohne Führung zappelt.

Kein Vertrauen, kein Talent

Vertrauensvorschuss? Das Wort gibt’s im HR-Jargon gar nicht. „Wir bilden nicht aus, wir kaufen Expertise!“ – so die Devise. Ergebnis: Junge Talente wie du (mit deiner Agentur-Erfahrung und Sales-Power) werden abgetan, weil sie nicht „schon bewährt“ sind. Stattdessen landen teure Headhunter mit „plug & play“-Kandidaten, die dann feststellen: „Moment, hier fehlt ja das Team!“ Ironie-Level: Expertenmodus. Studien zeigen eh: Erfahrung macht keinen automatisch zum besseren Boss – Potenzial zählt mehr.

Praktisches Beispiel aus dem echten Leben: Du als BDM mit Kleinteam-Erfahrung bewirbst dich, aber nein – sie wollen den „Senior Leader mit 5 Leuten“. Der Neue kommt, scheitert an eurer Kultur und zack: Neue Ausschreibung. Dein Match-Score für solche Jobs? Oft 8/10, aber ohne „Personal-Tattoo“ fliegst du raus.​

Die bittere Lohn-Rechnung

Und das Kostet: Rekrutierer pumpen Tausende in Headhunter, während interne Perlen wie langjährige Mitarbeiter (die extra Aufgaben stemmen) übersehen werden. Paradoxon pur – wie beim „Fachkräftemangel„, wo utopische Anforderungen + mickriges Gehalt die Bewerber vertreiben. Besser wäre: Chancen geben, coachen, wachsen lassen. Aber nein, „Erfahrung von woanders“ ist sicherer. Bis der Neue kündigt und du wieder suchst.

Kurz: Diese Forderung ist ärgerlich, weil sie Talente killt, Kosten explodieren lässt und Firmen in einem ewigen Recruiting-Karussell dreht. Zeit für Mut zu Vorschusslorbeeren – oder bleibt’s beim „Chef ohne Team“?

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