Man kennt sie: Diese Menschen, die nach einem verbalen Amoklauf am Frühstückstisch oder einer leicht passiv-aggressiven WhatsApp-Nachricht lässig sagen: „Tja, ich bin halt ehrlich“ oder, noch schlimmer, „Ich bin nun mal so“. Das klingt dann, als hätte ihr Charakter ein fest eingebautes Software-Update aus den 90ern, das sich einfach nicht mehr überschreiben lässt.
Doch die Wahrheit ist: „Ich bin nun mal so“ ist keine Charakterbeschreibung – es ist eine Ausrede im Sonntagsanzug. Sie klingt tiefgründig, bedeutet aber im Grunde: „Ich will einfach keine Verantwortung übernehmen.“ Denn wer seine Ecken und Kanten als Naturgesetz verkauft, macht sich selbst zum Wetterbericht: Man müsse ihn eben nehmen, wie er ist – ob’s stürmt, hagelt oder ununterbrochen schlechte Laune regnet.
Natürlich, ein bisschen Eigenart darf jeder haben. Wir sind ja keine identischen Standardmodelle vom menschlichen Fließband. Aber zwischen „Ich habe meinen eigenen Stil“ und „Ich laufe mit meinem Ego durch die Gegend wie mit einem Presslufthammer“ gibt es einen Unterschied und zwar ungefähr die Distanz zwischen einer leichten Brise und einem ausgewachsenen Tornado.
Der Satz „Ich bin nun mal so“ ist so, als würde jemand im Fitnessstudio ständig die Hanteln auf den Boden knallen und sagen: „Ich trainiere halt intensiv.“ Nein, du trainierst nicht intensiv, du nervst den gesamten Raum. Genauso nervt es, wenn Menschen ihre Unhöflichkeit, Stimmungsschwankungen oder fehlende Kommunikationsfähigkeit als „Authentizität“ verkaufen. Authentisch zu sein heißt nicht, alles rauszuposaunen, sondern ehrlich hinzuschauen, wenn man andere mit seinem Verhalten überrollt.
Das eigentliche Problem: Viele sehen „Ich bin nun mal so“ als Endpunkt einer Diskussion. In Wirklichkeit ist es der Anfang einer Erkenntnis. Der logische Satz, der folgen müsste, lautet nämlich: „… und deswegen sollte ich vielleicht mal überlegen, ob das so gut ist.“ Oder, kompakter: „Dann muss ich mich ändern.“ Klingt unspektakulär, ist aber die hohe Schule der Selbstreflexion, quasi das Superheldenlevel in der Welt des Erwachsenseins.
Natürlich ist Veränderung unbequem. Das eigene Ego ist ja kein Schmusetier, das man leicht erzieht. Es sträubt sich, faucht, kratzt und sagt: „Ich hab mich doch jahrzehntelang bewährt!“ Aber genau hier liegt der Zauber: Menschen, die bereit sind, an sich zu arbeiten, beweisen Empathie. Sie zeigen, dass sie nicht nur sich selbst auf der Bühne des Lebens sehen, sondern erkennen, dass da auch noch andere stehen und alles irgendwie ein Ensemble ist.
Also beim nächsten Mal, wenn jemand mit der Ausrede „Ich bin nun mal so“ um die Ecke kommt, kann man innerlich denken: „Na hoffentlich gibt’s ein Update.“ Denn kein Mensch bleibt stehen, es sei denn, er beschließt es. Und wer lieber an sich arbeitet statt sich rauszureden, zeigt Stärke, nicht Schwäche.
Oder um es kürzer zu sagen: „Ich bin nun mal so“ ist okay, solange es nicht als Punkt, sondern als Komma verstanden wird. Danach kommt: „… und trotzdem kann ich mich bemühen.“







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