Stellen Sie sich vor, Sie gehen in ein Restaurant, bestellen ein 5-Gänge-Menü, wollen aber nur für das Leitungswasser bezahlen. Der Kellner schaut Sie entgeistert an und Sie wundern sich, warum niemand Ihr Gourmet-Essen servieren will. Willkommen im Arbeitsmarkt 2025, wo Unternehmen über „Fachkräftemangel“ klagen, aber selbst kräftig am Herd der Probleme mitkochen.
1. Gehaltstechnisch zu wenig – aber Erwartungen wie bei Elon Musk
Viele Unternehmen bieten Gehälter, bei denen selbst der Taschenrechner weint. Während die Lebenshaltungskosten steigen, bleibt das Gehalt oft auf dem Niveau von 2010 – aber die Anforderungen? Die schießen durch die Decke. Da sucht man einen Junior-Entwickler mit 10 Jahren Erfahrung in einer Programmiersprache, die es erst seit fünf Jahren gibt. Oder verlangt für einen Bürojob, dass man nebenbei noch Yoga-Guru, IT-Security-Experte und Feelgood-Manager ist. Wer sich dann bewirbt, bekommt entweder eine Absage wegen „fehlender Qualifikation“ oder das Angebot, für ein Taschengeld zu arbeiten.
„Es ist offensichtlich, dass kein echter Personalmangel besteht. Vielmehr fehlt es an hochqualifiziertem Personal, das bereit ist, für deutlich unter dem marktüblichen Gehalt zu arbeiten.“
2. Utopische Anforderungen – die eierlegende Wollmilchsau im Anzug
Die Stellenanzeigen lesen sich wie das Drehbuch zu einem Marvel-Film: gesucht wird ein Superheld, der mindestens drei Sprachen spricht, jede Software der Welt blind beherrscht, 24/7 verfügbar ist und dabei noch bescheiden bleibt. Kein Wunder, dass viele Bewerber lieber weiterziehen – oder sich gar nicht erst bewerben.
„Unternehmen sind auch nur irrationale Organisationen… Da gibt es Leute, die Bewerbungsgespräche verzögern, weil sie keinen Bock haben, Freitagnachmittag einen Bewerber zu empfangen.“
3. Kündigungswellen – heute gesucht, morgen entlassen
Parallel dazu gibt es immer wieder Massenentlassungen, auch bei den sogenannten „gefragten Fachkräften“. Da werden heute noch IT-Spezialisten mit Gold aufgewogen, morgen aber in Scharen freigesetzt, weil der Vorstand wieder einmal „umstrukturiert“. Die Digitalisierung und Automatisierung sorgen dafür, dass viele Aufgaben plötzlich von Maschinen übernommen werden – und der Mensch? Der darf gehen. Das sorgt für Unsicherheit und Misstrauen: Warum sollte man sich auf einen Arbeitgeber einlassen, der einen morgen schon wieder auf die Straße setzt?
„Wie kann es sein, dass weltweit Fachkräftemangel herrscht und trotzdem immer wieder hunderte hochqualifizierte Mitarbeiter:innen entlassen werden?“
4. Die Realität: Knappheit, kein Mangel
Das eigentliche Problem ist nicht, dass es zu wenige Menschen mit Qualifikationen gibt, sondern dass Unternehmen nicht bereit sind, für diese Qualifikationen angemessen zu zahlen und realistische Anforderungen zu stellen. Ein „Mangel“ wäre es nur, wenn selbst bei Top-Gehältern niemand zu finden wäre. Tatsächlich gibt es eine Knappheit – aber die lässt sich mit besseren Bedingungen und fairer Bezahlung lösen.
„Würden Unternehmen allerdings gescheit bezahlen, würden sich durchaus Fachkräfte finden lassen. Der gebotene Lohn für manche Tätigkeiten ist einfach zu gering.“
5. Unternehmenskultur: Wertschätzung Fehlanzeige
Hinzu kommt, dass viele Unternehmen an ihrer eigenen Führung und Kultur scheitern. Fehlende Wertschätzung, mangelnde Entwicklungsmöglichkeiten und uninspirierende Führungskräfte sorgen dafür, dass selbst die motiviertesten Mitarbeiter irgendwann das Weite suchen. Fast die Hälfte aller Kündigungen passiert, weil sich Menschen nicht respektiert oder gefördert fühlen.
„45 Prozent der Menschen, die kündigen, kündigen aufgrund mangelnder Wertschätzung durch die Vorgesetzten.“
Fazit: Der „Fachkräftemangel“ ist oft ein hausgemachtes Problem. Wer zu wenig zahlt, absurde Anforderungen stellt und seine Leute wie Wegwerfartikel behandelt, darf sich nicht wundern, wenn niemand mehr kommt. Vielleicht sollten Unternehmen weniger jammern und mehr an sich selbst arbeiten – dann klappt’s auch mit den Fachkräften.







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