Verkehrsschilder mit Kleingedrucktem

Text-Romane auf Verkehrsschildern sind der Endgegner für jeden, der jemals versucht hat, „rasch“ das Kleingedruckte zu entziffern, während rechts schon der Blinker hektisch blinkt und hinten LKWs aufgeregt hupen. In dem Moment, wo man an so ein Schild rollt, hat man genau zwei Sekunden, den Text zu lesen, was ungefähr reicht, um „Maximal 3.5t“ zu erfassen, aber spätestens bei „Ausgenommen Fahrten mit dem Fahrziel in Leopoldsdorf westlich des Schützenweges sowie nördlich der Hauptstraße und Arbeitergasse“ ist das Gehirn auf Autopilot und hofft, dass niemand gerade von hinten schiebt.

Warum diese Schilder ärgerlich sind

  • Lesbarkeit: Im Stadtverkehr lesen alle die ersten beiden Wörter, der Rest verschwimmt zu einem grauen Informationsbrei. Wer versucht, sich den gesamten Text zu merken, steht schnell irgendwo im Nirgendwo oder auf der Busspur.
  • Orientierungslos: Ortsunkundige sollen bitte im Laufschritt ihre mentale Landkarte von Leopoldsdorf, die Lage sämtlicher Gassen und Straßenzüge sowie den lokalen Stadtplan parat haben. Denn was bitteschön liegt „nördlich der Hauptstraße“? Ist das jetzt Richtung Gemeindeamt oder doch zum Friedhof?
  • Verkehrssicherheit: Verkehrspsychologen und Schildbürger diskutieren schon seit Jahren, wie viele Satzglieder ein Mensch bei 50 km/h in 10 Metern Abstand aufnehmen kann. Das Ergebnis: maximal drei Wörter, wenn überhaupt, und die restlichen Informationen lösen bei allen außer den Einheimischen spontane Lachanfälle oder Stresspickel aus.

Typische Situationen

  • Gerade zugezogen, Blitzer in Sicht, und das erste Erlebnis ist: „Moment, war meine Ferienwohnung jetzt östlich oder westlich vom Schützenweg?“ Spoiler: Das erfährt niemand mehr vor dem nächsten Kreisverkehr.
  • Navigationsgeräte wälzen in ihren Straßenkarten, während Beifahrer parallel einen Crashkurs in Leopoldsdorfer Geografie starten.
  • Ein blindes Vertrauen in die Methode „Irgendeiner wird’s schon machen“. Einfach den Einheimischen hinterher, die wissen immer, ob sie nördlich, westlich oder auf dem Mars unterwegs sind.

Fazit

Verkehrsschilder mit halben Romanen fordern das Unmögliche: Ein Wissen, das selbst mancher Historiker nach drei Kaffee nur mit Mühe aufbringen kann. Die Botschaft dieser Schilder könnte genauso gut lauten: „Nur wer die geheime Karte der Ortsheiligen besitzt, darf einfahren.“ Wer sich in Leopoldsdorf auskennt, hat’s leicht. Alle anderen erleben Verkehrserziehung auf der Überholspur. Verkehrszeichen sollten so verständlich sein wie ein Smiley, aber leider sind sie oft eher wie die Nutzungsbedingungen beim Software-Update. Keiner kann’s ganz lesen, aber alle machen trotzdem weiter.

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