Wir wollen schöne Menschen sehen

Einleitung: Die Liege, der Wein und das perfekte Gesicht

Du sitzt gemütlich auf der Couch, die Chipstüte griffbereit, der Rotwein schwenkt im Glas, und dann: Da taucht er auf, der Hugh-Grant-Verschnitt mit Zahnpasta-Lächeln. Neben ihm die weibliche Hauptfigur, eine Mischung aus Feenstaub und Supermodel-DNA. Bei Liebesfilmen gilt: Die Turteltauben auf dem Bildschirm sind immer so makellos, dass selbst Instagram-Filter neidisch werden.

Warum ist das so? Und warum will niemand einen Film namens „Renate & Franz – Liebe zwischen Steuersachen und Pizzakarton“ sehen, gespielt von den Nachbarn von nebenan (in voller 0815-Pracht)?

1. Hollywood verkauft keine Realität, sondern Träume

  • Niemand setzt sich abends hin, um nach einem langen Bürotag eine zweite Schicht Sozialstudie zu fahren.
  • RomComs sind Wellness für die Augen und die Seele und die wollen nicht mit Aktenordnern, sondern mit Sixpacks und Modelbeinen verwöhnt werden.
  • Realität hat jeder genug, zumindest auf dem Personalausweisfoto.

2. Der Zauber des „Was-wäre-wenn…?“

  • Ganz tief in uns: Ein Hauch Cinderella-Fieber. Schön sein, begehrt werden, perfekte Frisur, sogar nach Regenschauern.
  • Identifikation in RomComs heißt nicht: „Das könnte ich sein!“ sondern „Oh bitte, lass mich das sein!“
  • Schöne Menschen bieten Eintrittskarten zur Fantasie: ein Leben lang Balkon-Romantik in Venedig, spontan ein Tänzchen im Regen und das alles ohne Angst vor Mascara-Flecken.

3. Wissenschaftlich bewiesen: Schönheit lässt uns mitfühlen

  • Studien zeigen, dass Menschen attraktiven Menschen automatisch mehr positive Charaktereigenschaften zuschreiben. Sie sind im Film smarter, humorvoller und zufällig auch noch Pilotin, Ärztin oder Millionenerbe.
  • Der „Halo-Effekt“ lässt Zuseher mit schönen Menschen mehr mitfiebern: Da tut die Trennung doppelt weh, aber die Wiedervereinigung erst recht!
  • Wissenschaftlich untermauert: Unser Gehirn nimmt visuelle Reize bei schönen Menschen als besonders angenehm wahr.

4. Die Realität ist eben… Realität

  • Warum machen wir keine Doku über „Liebe zwischen zwei Gehaltsabrechnungen“ in Klagenfurt? Weil wir wissen, wie das ausgeht: Steuererklärung, Hausarbeit, Zwist über Klopapier-Marken.
  • Niemand will sehen, wie Franz nach zehn Minuten schon schnarcht oder Renate in der Jogginghose Netflix binge-watched.
  • Es ist wie Essen in der Kantine vs. Dinner im Sternelokal. Ab und zu braucht’s eben das große Kino.

5. Das Stillen der Sehnsucht nach Perfektion

  • Schöne Menschen in RomComs sind wie Einhorn-Glitzer: Sie lassen uns kurz all unsere Alltagsproblemchen vergessen. Wer projiziert sich nicht gerne in einen bombastisch inszenierten Kuss an einer Brücke bei Sonnenuntergang?
  • Außerdem: Wer will schon, dass die große Liebe an einem schlechten Haartag vorbeizieht?

Fazit: Träumen darf erlaubt sein!

RomCom-Zuschauer:innen wissen selbstverständlich, dass Liebe auch bei Sommersprossen, Halbglatze und Zahnlücke passieren kann. Aber im kuscheligen Schein des Fernsehlichts und mit Schokolade in Reichweite genießen wir das Paradies auf Leinwand: Schöne Menschen, große Gefühle, Happy Ends und keine einzige Szene im Neonlicht einer Sparkassenfiliale.

Vergiss nicht: Das Leben ist oft Doku genug. Liebe auf der Leinwand darf deshalb ruhig immer ein bisschen zu schön sein, um wahr zu sein!

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