Druckertinte – Das flüssige Gold

Prolog: Drucker kaufen, Träume verlieren

Da steht er, glänzend und verlockend, im Elektrofachhandel: Der neue Tintenstrahldrucker. 49,95 Euro. „Kabelloses Drucken!“, steht auf dem Karton, dazu ein Bild einer glücklichen Familie, die vermutlich noch nie wirklich gedruckt hat. Beigepackt: Ein Anfängerset Patronen, gerade genug Tinte, um den Garantiebeleg auszudrucken.

Du nimmst ihn mit nach Hause, voller Hoffnung, und ahnst noch nicht, dass du in eine Falle tappst, mit der Kreativität von Geheimagenten: Willkommen im Tinten-Monopoly!

1. Die Patronen-Preislüge

Ein paar Wochen später. Warnmeldung am Monitor: „Tintenstand niedrig, ersetzen Sie die Patrone.“
Du zückst den Geldbeutel und suchst online nach Ersatzpatronen. Drei Klicks später die Ernüchterung:
Schwarze Patrone: 34,95 €
Farbpatrone: 39,95 €

Multipliziert man das, kostet das austauschbare Innere plötzlich mehr als das gedruckte Äußere. Man fragt sich:
Wäre es wirklich billiger, einfach einen neuen Drucker zu kaufen. Diesmal wieder einer mit „Starter-Patronen“?

Hersteller rechnen scheinbar mit genau dieser Überlegung. Der Zyklus beginnt von vorn. In der Garage lagern schon drei erschöpfte Altgeräte, daneben ein Kabelsalat und trümmerhafte CD-ROMs mit Treibern für Windows 10.

2. Druckerhersteller und ihre geheime Agenda

Hast du je bemerkt, wie Drucker immer im Angebot sind? „Nur heute: 29,99 €!“
Patronen hingegen nie. Keine Happy-Hour, kein Coupon-Day, keine Black-Friday-Schlacht.
Drucker sind das verführerische „All-you-can-print“-Buffet. Bei den Patronen kommt dann die Rechnung – à la carte, versteht sich.

Hersteller berechnen die Patronenkosten offenbar nach dem Vorbild von Diamanten: Seltenheit, Angstfaktor und ein wenig Hinterhältigkeit. Manchmal wünscht man sich, man könnte die Tinte mit Goldstaub vergleichen. Aber selbst dieser ist in manchen Ländern günstiger pro Milliliter!

3. Die Patronenpolizei und der Chip-Schreck

Nicht genug, dass Patronen teuer sind: Sie sind dank Chips unfreundlich zu Fremdpatronen.
Willst du die günstige No-Name-Variante einbauen, blinkt augenblicklich ein orangenes Licht und der Drucker wirft dir sinngemäß entgegen: „Das ist nicht meine Original-Patrone! Ich arbeite hier nicht mit Schmugglerware!“

Du fühlst dich ertappt wie bei einem Drogendeal. Kein Ausdruck, kein Scannen, keine Gnade.

4. Der absurde Recycling-Kreislauf und die Druckerhölle

Viele Nutzer vollenden irgendwann den ultimativen Kreislauf des Konsumwahns:
Drucker leer? Neuen Drucker kaufen, denn da sind ja FRISCHE Patronen schon drin!
Altes Gerät landet bei den Elektroschätzen im Keller, oder wird wie ein ausrangiertes Haustier bei eBay verschenkt.
So hast du bald eine eigene Druckerzoo-Mannschaft: Familien-HP, Cousin Canon, Onkel Epson. Alle ohne Tinte, aber mit schweren Vorwürfen im Gehäuse.

5. Fazit: Papierkrieg der Generation Tinte

Würden Druckerhersteller Autos bauen, gäbe es wahrscheinlich Neuwagen für 500 €, aber ein Liter Benzin würde dann 300 € kosten, und bei jedem Tanken müsste man den Original-Zündschlüssel für 80 € mitkaufen.

Also die traurige Wahrheit:
Wer regelmäßig und ohne Seelenqual drucken will, braucht heut mehr Glück als beim Tinderschwipen, oder einen Goldesel, der Patronen ausspuckt. Der Gedanke „Ich kaufe doch gleich einen neuen Drucker!“ ist pure Logik in einem absurden System und inzwischen auch ein unter Konsumenten weit verbreiteter Running Gag.

Aber: Immerhin hat man auf diese Weise immer ein USB-Kabel zur Hand. Und vielleicht irgendwann genug Altgeräte für eine eigene Kunstinstallation: „Evolution der Sinnlosigkeit. Ein Druckerzyklus“.

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