Wer jemals versucht hat, in Österreich ein Treffen zu planen, kennt ihn, diesen kleinen, unscheinbaren Satz. Kaum stellst du die harmlose Frage „Gehen wir am Samstag ins Kino?“ oder „Wann treffen wir uns endlich auf ein Bier?“, kommt sie, die legendäre Antwort:
„Schau ma mal.“
Was eigentlich wie ein freundliches „Mal sehen, vielleicht klappt’s ja!“ klingt, ist für den Fragesteller meist nichts als die höflichste Form des stillen Ghostings auf Wienerisch. Warum ist das so ärgerlich und verursacht bei so vielen Menschen nervöse Zuckungen am Augenlid?
Hier eine Analyse:
- Unverbindlichkeit als Kunstform: In Österreich ist es nahezu olympische Disziplin, sich niemals wirklich festzulegen. „Schau ma mal“ ist die sichere Rettungsleine zwischen Zu- und Absage. Man hält sich elegant alle Türen offen, als würde hinter jeder Ecke ein noch besseres Angebot lauern.
- Die Hoffnung stirbt zuletzt und dann sehr langsam: Für den Fragesteller fängt das Gedankenkarussell an:
„War das jetzt ein ‘Ja‘, ein ‘Vielleicht‘ oder ein ‘Niemals, solange ich atme’? Darf ich hoffen oder sollte ich gleich weiterfragen?“ Die Antwort bleibt vage wie der Wetterbericht für nächste Woche. - Die kalte Wahrheit hinter der Floskel: Mal ehrlich, „Schau ma mal“ bedeutet meistens:
„Ich habe eigentlich gerade keine Lust, aber falls eine Hungersnot, ein Netflix-Ausfall oder das plötzliche Bedürfnis nach sozialen Kontakten über mich hereinbrechen: Vielleicht.“
Oder auch: „Ich melde mich, wenn mir wirklich fad ist und sonst niemand Zeit hat.“ - Die fortwährende Warteschleife:
Wer „Schau ma mal“ sagt, legt die Verantwortung galant zur Seite. Bis zur letzten Minute kann man hoffen, aber auch in hübscher Planlosigkeit ausharren. Dem Fragesteller bleibt eine Mischung aus der Hoffnung aufs mögliche Wunder und dem Gefühl, als Notnagel zu dienen. - Das österreichische Drama der Freundlichkeit:
Direkt ehrlich? Das gälte hier ja schon fast als unhöflich! Anstatt klar „nein“ zu sagen, bleibt man lieber charmant ausweichend und gibt sich so den Anschein ewiger Flexibilität. Sei doch froh: Lieber ein charmantes „Mal schauen“ als ein anstrengender Streit!
Zum Schluss, ein Rat für Betroffene:
Solltest du wieder einmal ein „Schau ma mal“ kassieren, nimm’s sportlich. Mach einfach selber was Cooles. Und wenn dann das berühmte „Jetzt sofort, ich hätte Zeit!“ aus dem Nichts auftaucht…schau du diesmal, ob du vielleicht etwas Besseres vorhast!







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