Schöne Kindheit auch in den 2020ern

Kennst du diese Social-Media-Memes? Da prangt ein Bild von einer zerkratzten Audio-Kassette, einem alten Game Boy oder einer VHS, und darunter steht:
„Wer das hier kennt, hatte eine schöne Kindheit.“

Da muss ich jedes Mal schmunzeln und ein kleines bisschen die Stirn runzeln. Klar, auch ich habe als Kind der 80er VHS-Kassetten rückgespult (mit Kugelschreiber, nicht aus Langeweile, sondern weil der Walkman Strom sparte!), Stunden im SuperMario-Endboss-Kampf vergeudet und bin ohne Handy und Google Maps irgendwie zu meinen Freunden und wieder zurück nach Hause gekommen. Das war schön, aber war es wirklich besser? Oder finden wir das heute nur selbst mega-geil, weil wir zufällig dabei waren?

Nostalgie-Overkill!
Wer sagt eigentlich, dass jeder, der eine Kompaktkassette erkennt, eine besonders tolle Kindheit hatten muss? Ich kannte auch das Geräusch eines 56k-Modems. Meine Nachbarn wohl auch und die fanden meine Kindheit vermutlich weniger „schön“, wenn sie abends keine Anrufe tätigen konnten, weil ich wieder stundenlang im Internet hing.

Die Überheblichkeit der „Generation Nintendo“
Mal ehrlich: Natürlich fühlen sich analoge Erinnerungen manchmal besonders an, aber müssen wir deshalb so tun, als seien heutige Kindheiten weniger wert, nur weil sie Snapchat-Stories statt Kassetten-Hits sammeln? Wer behauptet, dass „offline sein“ automatisch Glück bedeutet, sollte sich mal vorstellen, wie cool es gewesen wäre, während der Mathe-Hausübung ChatGPT zu befragen (statistisch 99% weniger Tränen).

Was die Kinder von heute alles geniessen können:

  • Ständige Erreichbarkeit (und sofortige Besorgnis, falls nicht)
  • Hochauflösende Screens, die nicht mit Zahnputzpaste gereinigt werden müssen
  • Musikstreaming, das nicht von Bandsalat sabotiert wird
  • Virtuelle Realitäten, bei denen man nicht aus Versehen auf „Stop“ drückt und damit alles löscht

Klar, damals war’s unspektakulär und gleichzeitig aufregend, aber doch nicht automatisch besser! Wir hatten andere Probleme (Wo ist der Stift zum Bandsalat zurückdrehen?), andere Freiheiten (die Eltern konnten einen wirklich NICHT erreichen), doch auch heutige Kinder wachsen mit Abenteuern, Freundschaften und ihren IRREN ersten Malen auf, nur eben anders.

Mein Fazit:
Wir sollten weniger an Memes messen, ob eine Kindheit glücklich war. Jeder trägt seine eigenen goldenen Kassettenschätze im Kopf. Und ob das „schöne Kindheit“ war, entscheidet niemand, der heute ironisch VHS-Kassetten postet – sondern nur die, die mit ihrer Zeit wirklich was anfangen konnten. Egal ob mit Konsole, Kasette oder Kalender-App!

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