„In meinem nächsten Leben werde ich Politiker“

Ein Stoßseufzer, der gern fällt, wenn mal wieder von Diäten (in diesem Fall nicht die mit Salat, sondern die mit viel Geld) oder großzügigen Abgeordnetenpensionen die Rede ist. Es klingt, als hätten die Betreffenden in diesem Leben eine folgenschwere Fehlentscheidung getroffen. So, als hätte man sich im Himmel beim Schalter „Berufe für die nächste Inkarnation“ in die falsche Schlange gestellt: links Arzt, rechts Architekt, geradeaus Politiker. Nur leider hat man aus Versehen „Schlosser“ angekreuzt, und erst im Nachhinein gemerkt: Mist, Beamtenpensionen gibt’s da nicht!

Das Problem: Politiker werden funktioniert auch schon jetzt

Die Vorstellung, man müsse aufs nächste Leben warten, ist ungefähr so absurd wie zu sagen: „Im übernächsten Leben kaufe ich mir endlich eine Spülmaschine.“ Nachricht aus der Realität: Man könnte das schon heute tun – man müsste es nur wollen. Denn theoretisch ist der Weg ins Parlament offen: Ortsverband, Mitgliedsausweis, Flyer verteilen beim Stadtfest. Zack, die Karriereleiter nach oben. Das Problem ist nur: Die meisten Menschen hätten nach zweimal Wahlplakatkleben und dreimal Parteitag im Dorfrestaurant bereits das sichere Gefühl, dass das politische Parkett rutschiger ist als jede Eisbahn.

Politiker sein: nicht nur Champagner und Dienstwagen

Von außen wirkt es manchmal so, als bestehe der Alltag aus Händeschütteln mit Stirnrunzeln, einem Chauffeur samt Limousine und einer lebenslangen Rentenversicherung ab Tag eins. In Wahrheit besteht er vor allem aus endlosen Sitzungen über den Bebauungsplan von Kleinkleckersdorf, Facebook-Diskussionen mit wütenden Bürgern um halb eins in der Nacht und der ewigen Frage, welcher Landtagskollege wieder zuerst zum Buffet rennt. Kurz: Das schöne Bild von Macht und Privilegien löst sich schnell in einer Wolke aus Floskeln, Aktenordnern und kaltem Kaffeebecherrauch auf.

Dauerstress statt Dauerurlaub

Die „verlockenden Vorteile“ sind eben das eine, dass man sich dafür gleichzeitig hunderttausendfach beschimpfen lassen darf, das andere. Wer schon beim Familienessen an Weihnachten das Gefühl hat, politisch nicht durchzudringen („Nein, Tante Elfriede, das mit den Windrädern ist nicht so einfach!“), den wird die Bundestagsdebatte nicht glücklicher machen.


Fazit: Politiker? Kannst du schon heute!

Also: Zu sagen, man werde im nächsten Leben Politiker, klingt nach einer Ausrede von der Sorte „Morgen gehe ich definitiv zum Fitnessstudio.“ Wer ernsthaft Lust auf Politik hat, kann sofort damit anfangen. Niemand verlangt eine Wiedergeburt auf Steuerzahlerkosten. Erfolg ist eine andere Frage: Die Wahrscheinlichkeit, Kanzler zu werden, ist ungefähr so groß wie die, dass man beim Bäcker aus Versehen als nächster Papst gekrönt wird.

Moral der Geschichte: Wer glaubt, Politiker sei der bequemste Beruf der Welt, sollte bedenken: Der Preis für Macht ist nicht nur Applaus, sondern auch der Kommentarbereich unter jedem beliebigen Post. Vielleicht ist es gar nicht so schlecht, im jetzigen Leben doch lieber Bäcker zu bleiben. Da danken einem die Leute wenigstens noch für die Brötchen.

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