Kein Ahnung von irgendwas

Stell dir die Menschheit wie ein riesiges, pralles Buffet vor. Da gibt’s alles: Politik, Wirtschaft, Showbiz, Physik, Vogelkunde, Käsekunde, TikTok-Tänze, Quantum Computing und Tupperware-Deckel in allen Formen. Jeder greift sich, was ihn anspricht. Der eine schaufelt sich ordentlich Politik auf den Teller, der nächste stapelt Filmfakten bis zum Rand, und wieder andere können dir sämtliche Pokémon-Entwicklungen aufzählen, aber wissen nicht, wie unser Bundeskanzler heißt.

Das ist vollkommen normal, schließlich kann niemand alles essen… äh wissen. Unser Gehirn ist wie eine Festplatte, und irgendwo zwischen „Wie schnürt man Schuhe?“ und „Was ist der Unterschied zwischen Wasch- und Spülmaschine?“ ist bei jedem von uns mal Schluss.

Warum hat deine Nachbarin keine Ahnung, wer Taylor Swift ist? Vielleicht ist sie heimliche Rinderzucht-Expertin. Oder der Typ, der beim Smalltalk über Steuern traurig schweigt, kann die gesamte Star-Trek-Reihe chronologisch aufzählen. Diese Menschen haben ihre Wissensnischen, für die sie nachts um drei geweckt werden könnten („Wie nennt man das Balzverhalten männlicher Elche?“ – „Ganz klar: Elchdiskothek.“).

Und das ist völlig verständlich, denn es gibt, objektiv betrachtet, einfach zu viele Themen. Wer heute noch mitkommt, hat entweder kein Sozialleben oder ein Hirn wie ein Quantencomputer.

Aber dann gibt’s noch das „dritte Buffet-Fach“: Die, die anscheinend weder das Licht der Politik- noch der Entertainmentwelt je erblickt haben. Die wirklich gar nichts wissen. Wir kennen sie, diese skurrilen Wissens-Tiefseetaucher. Sie laufen seit Jahrzehnten durchs Leben, und manchmal fragt man sich: Wie machen die das bloß? Müssen die morgens an alles erinnert werden? („Du musst atmen! Luftholen! Ja, gut so!“).

Das Faszinierende: Diese Menschen schaffen es oft trotzdem erstaunlich weit. Sie finden immer jemanden, der ihnen die Basics beibringt. Sie überleben seit Jahren mit dem gefährlichen Halbwissen, dass Spinat Eisen enthält, Marmelade gesund ist und alle Politiker denselben Vornamen haben. Manchmal landet man bei solchen Menschen als Quizpartner und plötzlich wird man selbst sehr religiös und fleht um göttlichen Beistand.

Aber vielleicht liegt genau hier der Trick: Wer nichts weiß, lebt oft befreiter. Keine Sorgen über Skandale in Wien, keine Angst vor Netflix-Spoilern. Während wir uns an unnützem Faktenwissen den Kopf zerbrechen, genießen sie den Tag und schlagen unbewusst Kolumbus’ Route auf Google Maps nach.

Am Ende sind wir alle nur Buffet-Gäste mit sehr unterschiedlichen Geschmäckern. Und solange man die eigene Wissenslücke mit Humor nimmt (und vielleicht ab und an einmal lernt, wie man die Waschmaschine anstellt), dürfen wir anderen achselzuckend zugucken, wie sie ihren Weg durchs Leben finden und manchmal sogar bewundern, wie herrlich leicht das aussehen kann.

Fazit: Wer in einem Bereich Ahnung hat, ist selten in allen anderen ahnungslos, sondern einfach auf einem Spezialgebiet Weltmeister. Und die völligen Ahnungslosen? Die sind der geheimnisvolle Nachtisch auf dem Buffet. Keiner weiß genau, woraus sie bestehen, aber irgendwie gehören sie dazu!

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