Der alte dicke Mann mit der jungen hübschen Frau

Du schlenderst an einem lauwarmen Abend durch die Straßen von Bangkok oder flanierst an einer Palmenpromenade im philippinischen Cebu. Du siehst Monsoonregen, Garküchen, ein paar Tuk-Tuks und, fast schon als Bestandteil der Flora und Fauna: alte westliche Männer, die Hand in Hand mit strahlend jungen, einheimischen Frauen unterwegs sind. Er hat das Hawaiihemd voller Sonnencremeflecken; sie trägt ein Lächeln, das vermutlich zu 70% aus freundlicher Höflichkeit besteht.

Verständlich: Sehnsucht und Sehnen nach Nähe

Warum passiert das? Nun, alle Marketingabteilungen der Welt und sämtliche Fettnäpfchen-Blogger dieser Erde werden dir bestätigen: Der Mensch sehnt sich nach Nähe. Und zwar nicht nach der Art Nähe, die einem die Versicherungsvertreter andrehen wollen („Wir begleiten sie ein Leben lang!“), sondern nach echter, fühlbarer, manchmal temperamentvoller, manchmal gepflegter Zuneigung.

Da sitzt nun der westliche Herr, nennen wir ihn liebevoll Herr Sedlacek, in Gramatneusiedl, jahrzehntelang den Wetterbericht auswendig gekonnt, doch nie ein Herz erwärmt. Seine Katze ist verstorben, beim Bingo regnet es immer aufs Fensterbrett, die Datingplattformen listen ihn als „Silberfuchs sucht Glück – Grundausstattung Eigenheim“. Junge Frauen gucken eher freundlich weg. Da liest er in seinem E-Mail-Postfach von einer südostasiatischen Partnerbörse. „Here you find real love!“, steht da. Na, wenn das kein Zeichen ist! Und wirklich: Die Aussicht auf Sonne, Wärme, günstige Lebenshaltungskosten und das freundliche Lächeln einer 25-jährigen stellt für viele Männer eine unwiderstehliche Versuchung dar. Wer möchte schon im Winter alleine den Tee umrühren, wenn er im Sommer eine Kokosnuss zu zweit trinken kann?

Schamlos: Das Offensichtliche im schiefen Paradies

Jetzt aber zur Schattenseite, denn jeder, wirklich JEDER, weiß, was da läuft. Niemand glaubt ernsthaft, dass Walter und die 23-jährige Somporn eine tiefe, gemeinsame Leidenschaft für romantische Gedichte verbindet – außer vielleicht Facebook, wenn beide sich als „Literaturfans“ eintragen. Die Interaktionen beruhen oft auf einem stillen Gesellschaftsvertrag: Er bietet finanzielle Sicherheit und einen Hauch Weltreise, sie bietet Company, Lächeln und gelegentlich das vielzitierte „Romantische Abenteuer“.

Die Einheimischen sehen das, die Touristen sehen das, sogar die Kakerlaken im Hotelzimmer wissen spätestens beim ersten Geldschein-Wechsel, was gespielt wird. Es gibt Restaurants in Pattaya, wo auf der Speisekarte schon „Heiratsantrags-Special“ angeboten wird. Man nickt sich zu, begleitet von einem „Na, wieder Nachschub geholt?“. Das Schamgefühl versteht hier nur der, der wirklich ganz neu ist oder sich fleißig einredet, es ginge eigentlich um Yoga-Workshops und Kulturaustausch.

Der Tanz zwischen Herz, Geldbörse und Realität

Das macht die Sache so urkomisch wie tragisch: Einerseits menschliche Sehnsüchte, niemand will als trauriger Elvis-Imitator enden, andererseits die absolute Klarheit darüber, dass Gefühle hier marktwirtschaftlichen Gesetzen unterliegen wie sonst die Mangos am Straßenstand. Es wäre fast ehrlicher, man druckte es auf die T-Shirts: LOVE ME, LOVE MY VISA.

Fazit in drei Portionen Thai-Curry

  • Verständlich: Niemand will alleine altern. Herz bleibt Herz, egal wie alt und faltig.
  • Schamlos: Die Choreographie ist so durchsichtig wie eine Touristen-Sonnenbrille, niemand glaubt ernsthaft an Zufall oder Schicksal!
  • Humorvoll: Letztlich liegen manchmal am Strand Herz und Würde gemeinsam auf dem Handtuch, während der Geldbeutel Cocktails bestellt. Und ganz ehrlich: Manchmal ist das alles, was in diesem gigantischen Strand-Soap-Opera-Plot übrigbleibt.

Also: Lieben wir das Menschliche. Lachen wir über das Kalkül. Aber schauen wir trotzdem abends im Hotelspiegel noch einmal kurz, ob wir vielleicht doch eher wegen uns selbst geliebt werden wollen oder, wie meistens, weil wir das Flugticket gezahlt haben.

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