SIND WIR NICHT ALLE LEADER?

Auf LinkedIn ist heute gefühlt jeder ein „Leader“ – ob Praktikant, Junior Sales Manager oder der Hund des CEOs. Die Profile wimmeln von „Visionären“, „Change Agents“ und „Thought Leaders“, die angeblich täglich mit Steve Jobs’ Geist frühstücken und einen Erfahrungsschatz besitzen, der selbst Methusalem neidisch machen würde. Doch warum sind viele dieser selbsternannten Führungspersönlichkeiten in Wahrheit alles andere als echte Leader? Hier ein Blick hinter die Buzzword-Fassade:

1. Leadership by Jobtitel – Hauptsache, es klingt gut
Auf LinkedIn ist „Lead“ das neue „Mitarbeiter“: Wer früher noch „Sachbearbeiter“ war, ist heute „Process Optimization Leader“. Das klingt beeindruckend, bedeutet aber oft nur, dass man die Kaffeemaschine bedienen kann, ohne sich zu verbrühen. Die Inflation der Titel sorgt dafür, dass selbst die Teamassistenz plötzlich „Head of Office Happiness“ ist – Führungserfahrung inklusive, versteht sich.

2. Buzzword-Bingo statt echter Führung
Viele „Leader“ auf LinkedIn glänzen vor allem mit Schlagworten: „Synergie“, „Agilität“, „Disruption“. Wer fragt, was das konkret bedeutet, bekommt meist einen Redeschwall, der an eine Mischung aus Unternehmensberater-Seminar und Glückskeks erinnert. Echte Führung zeigt sich aber nicht im Vokabular, sondern im Handeln: Wer nur mit Worthülsen um sich wirft, führt höchstens das nächste Bullshit-Bingo an.

3. Führung ohne Follower
Ein Leader ohne Team ist wie ein Dirigent ohne Orchester – sieht vielleicht elegant aus, aber es kommt kein Ton heraus. Viele LinkedIn-Leader führen vor allem sich selbst (und ihre Timeline), während sie in der Realität selten Verantwortung für andere übernehmen. Echte Führung zeigt sich darin, wie man mit Menschen umgeht, nicht darin, wie oft man „#Leadership“ postet.

4. Perfekte Fassade, wackelige Substanz
Auf LinkedIn sind alle immer souverän, visionär und inspirierend. Die Wahrheit ist: Echte Führungskräfte zweifeln an sich, machen Fehler und geben das auch zu. Wer hingegen nie Schwächen zeigt, alles weiß und immer perfekt ist, spielt nur eine Rolle – und verliert schnell das Vertrauen derer, die wirklich geführt werden wollen. Denn Leadership heißt nicht, immer Recht zu haben, sondern auch mal Fehler einzugestehen und um Hilfe zu bitten.

5. Wahrnehmung schlägt Wirklichkeit
Letztlich zählt nicht, wie man sich selbst sieht, sondern wie andere einen wahrnehmen. Wer sich für einen Leader hält, aber von Kollegen als unnahbar, chaotisch oder arrogant erlebt wird, ist in Wahrheit kein Vorbild, sondern ein Blender. Die Lücke zwischen Eigen- und Fremdwahrnehmung ist oft so groß wie der Abstand zwischen LinkedIn-Profilfoto und echtem Arbeitsalltag.

Fazit:
Viele angebliche „Leader“ auf LinkedIn sind vor allem Meister der Selbstinszenierung. Sie führen vor allem ihre eigenen Profile, aber selten echte Teams. Echte Führung zeigt sich nicht in Buzzwords, Titeln oder perfekten Posts, sondern in Authentizität, Fehlerkultur und dem ehrlichen Umgang mit Menschen. Wer das verstanden hat, braucht kein „Leader“ im Titel – sondern wird einfach von anderen so genannt.

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