Hotelzimmer-Urlauber

Kaum angekommen am Urlaubsort, sonnenverwöhntes Paradies, türkisblaue Wellen und was machen manche Leute? Sie ziehen sich zurück in ihr Hotelzimmer. So als hätten sie den Flug nicht in ein anderes Land gebucht, sondern ins magische Königreich der Fernsehsender in fremder Sprache.

Für mich unverständlich. Ganz ehrlich: Ich fahre doch nicht 1.200 Kilometer, nur um woanders Netflix zu schauen. Das könnte ich daheim machen, ohne Koffer, ohne Flughafenkontrolle und vor allem ohne diesen einen Typen im Flieger, der sich für einen „Armlehnen-Messias“ hält.


1. „Aber das Bett ist so bequem!“

Aha. Ernsthaft? Daheim ist das eigene Bett auch verdammt bequem. Plus: Dort gibt es keine anonyme Reinigungskraft, die am Morgen an die Tür hämmert, während man so tut, als wäre man schon wach. Urlaub in einem Hotelbett zu feiern ist ungefähr so, wie ins Schwimmbad zu gehen und nur die Pommes zu essen.


2. „Wir haben All-Inclusive!“

Ja, schon klar. Aber All-Inclusive heißt: man darf alles ausprobieren, nicht: den 7. Teller Pommes aufs Zimmer nehmen und dort einen dokumentarischen Selbstversuch starten („Wie viele Chicken Wings passen in mich, bis ich nicht mehr durch die Badezimmertür komme?“). Essen gehört dorthin, wo Menschen und Sonne zusammenkommen, nicht ins Einzelhaftzimmer 312.


3. „Im Zimmer ist es kühl!“

Na toll. Dafür habe ich doch nicht Reiseprospekte durchgeblättert und meine Zehen in Sicherheitsschuhen durch die Sicherheitskontrolle geschoben. Wenn ich ständig im kühlen Hotelzimmer sitzen will, dann schalte ich auch daheim die Klimaanlage an und nenne das Ganze „Malaga-Simulation“.


4. „Urlaub heißt Erholung!“

Ja, völlig richtig. Aber Erholung heißt für mich: neue Eindrücke, Meeresrauschen, fremde Gerüche, nicht: die Deutschland-Soap vom Nachmittag in portugiesischer Synchronfassung. Ich fahre in ein anderes Land, um dort zu sein, nicht, um „Hotelbudapest, Staffel 8“ live mitzuspielen.


Mein Fazit als „Anti-Zimmerhocker“

Das Hotelzimmer ist für mich so funktional wie eine Parkgarage: Man stellt kurz was ab (in meinem Fall: mein Körper über Nacht) und geht dann wieder raus. Ich will die Straßen, die Märkte, das Meer, das Chaos.

Wer im Urlaub sein Hotelzimmer nicht verlässt, verpasst nicht nur die Hälfte, er verpasst die gesamte Pointe. Denn Urlaub macht man nicht im Raum mit Minibar, sondern genau dort, wo man sich denkt: „Wow – DAS habe ich daheim nicht!“

Oder anders gesagt:
Wenn dein schönster Urlaubs-Moment an der Zimmernummer 418 hängt… dann hättest du auch gleich zu Hause bleiben und die Klingel putzen können.

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