Warum werden Wörter falsch ausgesprochen?

Unser Gehirn liebt Routine. Unbekannte oder fremde Wörter werden blitzschnell „eingedeutscht“, damit sie ins bekannte Sprachsystem passen. Besonders Wörter aus anderen Sprachen, Namen von Marken oder Fremdwörter sind betroffen, weil deren Aussprache durch die eigene Muttersprache oder durch falsch abgespeicherte Vorbilder verdrängt wird. Hinzu kommen Fehlinformationen durch Medien, Werbung oder die erste Person, die ein Wort falsch aussprach und fortan im Freundeskreis als „Experte für LamborJini“ gilt. Oft orientieren sich Menschen an der Schreibweise, die nicht immer der Aussprache folgt.

Beispiele: Die richtigen Aussprache-Varianten

Hier ist eine Liste falsch ausgesprochener Klassiker mit der korrekten Version:

  • GIF – wird oft „JIF“ gesprochen, korrekt aber wie in „Gift“: [ˈɡɪf].
  • Lamborghini – wird nicht wie der italienische Cousin „LamborJini“ ausgesprochen, sondern „LamborGINI“: [lamboɾˈɡiːni].
  • Quarantäne – keine „Kwarantäne“, sondern schön französisch und nasal: [kaʁanˈtɛːnə].

Weitere häufig falsch ausgesprochene Wörter

Wer kennt sie nicht, die „Gnotschi“ zum Abendessen oder den „Expresso“ nach dem Essen? Hier ein paar weitere Beispiele, mit korrekter Aussprache zum Nachmachen:

  • Gnocchi – nicht „Gnotschi“, sondern [ˈɲɔki].
  • Gelatine – nicht „Gelantine“, sondern [ʒelaˈtiːnə].
  • Brokkoli – nicht „Brokoli“, sondern [ˈbrɔkoli].
  • Espresso – bitte nicht „Expresso“, sondern [ɛsˈprɛso].
  • Moët (Champagner) – nicht „Mo-ee“, sondern „Mo-et“: [moˈɛt].
  • Bruschetta – nicht „Bruschätta“, sondern „Brusketta“: [brusˈketta].
  • Regisseur – „Ressigeur“ ist ein Mythos, bitte „Reh-schiss-hör“ üben: [reʒiˈsøːɐ̯].
  • Trilogie – keine „Triologie“, sondern [tʁiloˈɡiː].
  • Excel – bitte nicht „Eksel“, sondern [ɪkˈsɛl].
  • PayPal – kein „PayPaul“, sondern [ˈpeipæɫ].

Das Phänomen ist international

Vieles davon passiert nicht nur im Deutschen: Auch in anderen Sprachen stolpern Menschen über fremde Markennamen, Anglizismen oder französische Wörter, deren Original-Aussprache verschluckt und durch Lokalpatriotismus ersetzt wird.

Tipp für den Alltag

Nimm’s mit einem Lächeln, die Sprache lebt! Wer mutig nachfragt oder ein Schnitzeljagd-Spiel um die korrekte Aussprache macht, sorgt für Gesprächsstoff und lacht über „Gnotschi“ und „Expresso“ genauso wie über den “Elbphilharmoniker mit Rückrad”. Und morgen bestellt einfach einmal ganz korrekt, die meisten Kellner werden begeistert sein.

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