Fleisch gewinnt (fast) immer

Gemüse im Supermarkt. Es stapelt sich in glorreichen Farben, strahlt so grün und bio wie ein Influencer-Brunch und ruft: „Iss mich, du wirst ewig leben!“ Doch dann wandert der Blick zur Fleischtheke und siehe da: 500 g Faschiertes zum Discountpreis, fast wie ein Sonderangebot zum „Ernährung-hinüber-mit-einem-Klick“. Warum fällt es uns so schwer, bei solchen Verhältnissen auf Gemüse umzusteigen? Lass uns mal hinschauen, was da los ist.

1. Preise, Preise, Preise
Gefühlte Wahrheit (und oft genug Realität): Gemüse ist nicht einfach teuer, es ist „das neue Avocado-Toast“. Fleisch hingegen bleibt oft erstaunlich günstig, vor allem in Supermärkten mit umkämpften Preisen. Wer soll da beim Einkaufen mit schwitzigen Händen zu Brokkoli greifen, wenn das Hähnchen auf Schnäppchenjagd geht? Klar, da gäbe es saisonale Angebote und Tiefkühlregale, aber gefühlt kostet Gemüse ein kleines Vermögen. Jedenfalls dann, wenn man es mit den Preisen für Wurstaufstrich oder Grillkoteletts vergleicht.

2. Gemüse ist kompliziert – Fleisch ist einfach
Gemüse verlangt Aufmerksamkeit. Putzen, schälen, schnippeln, und dann pressiert der Abschied: Das Mindesthaltbarkeitsdatum vom Rucola ist strenger als der Türsteher im Club. Fleisch hingegen kommt brav verpackt in der Hoffnung auf Langlebigkeit, oft eingelegt oder bereits gewürzt. Schnell zubereitet, noch schneller gegessen. Gemüse schmeckt hingegen nur dann, wenn man weiß, was man tut . Ansonsten droht lustlose Konsistenz oder das „Socken-im-Mund-Gefühl“.

3. Der soziale Faktor: Currywurst statt Karottensaft
Ob Grillparty, Kantine oder Weihnachtsfeier: Fleisch ist traditionell der Star. Wer in der Mittagspause mit Karottenschnitzern wedelt, gilt schnell als Trend-Esoteriker und wird mitleidig am Schnitzelteller vorbeigeleitet. Gemüse hat ein Image-Problem, spätestens, wenn die Kinderaugen beim Brokkoliauflauf tränen.

4. Gewohnheiten und Naschlust
Abends knackige Rohkost? Klingt nach dem Kühlschrank des Dalai Lama. Für viele gewinnt hier aber die Pizza Salami oder die Schinkensemmel. Wir sind Gewohnheitstiere, und unsere Geschmacksknospen sind auf deftig programmiert. Da fällt das Umschalten auf Karotten und Pastinaken schwer, vor allem nach einem langen Arbeitstag.

5. Subventionen und Politik
Was kaum einer auf dem Kassenzettel sieht: Fleischproduktion wird (in Österreich und der EU) oft indirekt durch Landwirtschaftsförderung unterstützt. Gemüsebauern bekommen meist nicht so viel Liebe von der Politik. Folge: Gemüse bleibt oft teuer, und Fleischpreis bleibt niedrig.

6. Die Illusion vom Zeitgewinn
Fleischprodukte wirken wie Ernährung „to go“: Aufreißen, anbraten, fertig. Gemüse fordert Planung, Kochzeit, Rezeptkunst und manchmal Youtube-Tutorials für „Wie schneide ich einen Fenchel, ohne mich zu verlieren?“

Das Ergebnis: Dem Gemüse bleibt leider oft nur die Karriere als „Vorsatz fürs neue Jahr“ und das nächste Fleischangebot siegt schon wieder beim Einkauf. Doch Kopf hoch: Mit etwas Planung, saisonalen Angeboten und dem einen oder anderen guten Rezept kann Gemüse tatsächlich günstiger (und aufregender!) werden, als es sich heute anfühlt.

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