Es gibt Menschen, die für ihre privaten Vorlieben eine so innere Klarheit empfinden, als hätten sie gerade den Sinn des Lebens entschlüsselt. Und offenbar gehört dazu, anderen sofort mitzuteilen, dass jede abweichende Wahl ungefähr so verwerflich ist wie Socken in Sandalen. Das sind die Leute, die nicht einfach ein iPhone benutzen, sondern ungläubig fragen: „Wie kann man nur ein Android Handy kaufen?“, als wäre der Besitz eines iPhones ein geheimes Aufnahme-Ritual in den Club der Erleuchteten.

Warum ist das so? Dafür gibt es gleich mehrere Beobachtungen:

1. Richtig oder Falsch? Dazwischen gibt’s nix!

Das Gehirn liebt einfache Rezepte. Wer sich einmal für Kombi statt Coupé, für Hund statt Katze oder Siebträger statt Kapselmaschine entschieden hat, der entwickelt oft eine Art „Konsum-Stolz“. Nun gilt es, jede Abweichung mit Überraschung und moralischem Eifer zu kommentieren. Frei nach dem Motto:

„Wer keinen Kombi fährt, hat das Leben einfach nicht verstanden.“

2. Rückversicherung durch Missionieren

Indem man andere von der eigenen Entscheidung überzeugen will, fühlt man sich im Kreis der „Wissenden“. Wenn alle Kapselkaffee trinken, fühlt sich der Siebträger-Fan plötzlich wie der letzte vegane Wikingersohn. Die eigene Lösung wird lautstark zur alleingültigen Wahrheit erklärt. Vielleicht auch ein bisschen, um sich selbst davon zu überzeugen!

  • Beispiel:
    „Wer nach 18 Uhr noch Kohlenhydrate isst, braucht auch keinen Fitnesstracker!“

3. Stammesdenken light

Die Vorliebe für Kombis, Android oder Siebträger-Kaffee wird Teil der eigenen Identität. Besonders, wenn Gruppenzugehörigkeit durch Konsum definiert wird, entstehen die wunderbarsten Lager:

  • Bergschuhträger vs. Sneakerpuristen
  • Barfußläufer vs. Dämpfungsgeläuf
  • Buch-Leser vs. Kindle-Wischer
    Richtig schlimm wird’s nur, wenn dann noch Nachhaltigkeit, Regionalität oder „früher war alles besser“ ins Spiel kommen.

4. Das Alltags-Gatekeeping

Es reicht nicht, glücklich zu sein. Die anderen müssen auch glauben, dass es dafür exakt nur diesen einen Weg gibt:

  • „Nur ein echter Griller benutzt Holzkohle.“
  • „Richtige Pizza kommt aus dem Holzofen. Punkt.“
  • „Nur mit echten Kopfhörern klingt Musik richtig, Bluetooth ist ein Fall für den Technologie-Müllplatz.“
    Die Welt als kleine Bühne fürs eigene Konsumdrama!

5. Noch mehr Alltagsbeispiele

  • „Wer keinen SUV fährt, liebt seine Kinder nicht.“
  • „Facebook? Da sind doch nur noch alte Leute!“
  • „Windows? Da hat wohl jemand Freizeit übrig um Bugs zu suchen!“
  • „Wer Tofu mag, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.“
  • „Netflix ist wie Fernsehen. Nur mit mehr Auswahl und weniger Niveau.“

Zusammengefasst:

Viele Menschen erklären ihre Lösungen für das Maß aller Dinge, weil das Zugehörigkeit und Orientierung verschafft und das Leben schwieriger wäre, müsste man anerkennen, dass es mehrere Wahrscheinlichkeiten für Glück gibt.
Oder, um es im Kombi-Stil zu sagen:
Manchmal ist der einzige Unterschied zwischen richtig und falsch nur die Größe des Kofferraums 😉

2 Antworten zu „Wie kannst du nur?“

  1. Oh ja, das kenne ich auch. Ich habe das Gefühl, bald gibt es Streit weil die Lieblingsfarbe Blau und nicht Rot ist 🤪

    Like

    1. Ist leicht möglich. Man kann über alles vortrefflich streiten ^^

      Like

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..

Alles geht – nix muss

Seien es Likes auf Beiträge, Follows in den anderen Channels oder Input für weitere unterhaltsame Themen. Ich freue mich über jegliche Unterstützung.

Join the club

Stay updated für die neuesten Absurditäten.