Man kennt und liebt sie: jene kleinen, bestens organisierten Bürgerinitiativen, die im Herzen eigentlich nur eines wollen, ihre eigene perfekte Welt retten. Sie kämpfen angeblich für unsere Kinder, für regionale Identität, gegen Betonwüsten und für Nachhaltigkeit. Nur bitte, liebe Bauträger, lasst ihre Sicht auf das Feld in Ruhe und am besten baut ihr gleich irgendwo ganz anders.
Das Phänomen: „Mein Haus ist das letzte in der Straße… aber wirklich das LETZTE!“
Wer die Zeitungen aufmerksam liest, stößt immer wieder auf diese wundersame Logik:
- „Unsere Kinder brauchen Wohnraum.“ Richtig. Aber bitte so, dass die Kids nach dem Auszug auch weiterhin im elterlichen Garten das Kaninchen düngen können. Keine neuen Nachbarn, keine Spielplätze direkt nebenan, und die Infrastruktur kann ruhig wachsen, bevorzugt via Zauberei und möglichst ohne Baustelle in Hörweite.
- Neubauten? Nur nicht die Aussicht versperren! Es sind selten die dramatischen Umweltsorgen, die diese Bewegungen innerlich umtreiben. Das wahre Drama ist, wenn der geliebte morgendliche Blick ins goldene Weizenfeld durch einen hippen Neubauprozessor gestört wird. Da hilft auch keine Photovoltaikanlage auf dem Flachdach.
- Infrastruktur: Ein Paradoxon der Extraklasse. Schnell noch ein Bäckerladen ums Eck, die Straßenbahn vor der Haustüre, aber wehe, jemand wagt es, eine neue Durchzugsstraße zu planen. Das wäre dann doch zu viel Fortschritt vor der eigenen Tür.
Die große Versiegelungs-Mär
Natürlich klingt es blumig und altruistisch, wenn in Leserbriefen naturverbundene Retter gegen Bodenversiegelung wettern. Doch, Hand aufs Herz, in den meisten Fällen ist die Rasenkante zur Baufläche des Nachbarn exakt die natürliche Grenze des erhaltenswerten Ökosystems. Eigener Baugrund wird natürlich sinnvoll genutzt. Erst alle nachfolgenden Hausprojekte bedrohen ernsthaft die Artenvielfalt und das Klima, versteht sich von selbst.
Zwischen Heuchelei und Humor – was steckt wirklich dahinter?
Drehen wir den Spieß mal um:
- Jeder will Wohnraum für seine Nachkommen, aber am liebsten, ohne selbst irgendeinen Nachteil zu spüren.
- Die paradiesische Ursprünglichkeit gilt exakt nur solange, bis das eigene Traumhaus steht. Ab dann muss Naturschutz her, und zwar bitte mit Ankündigung und Grundstücksschutz.
- Verkehrsanschluss und Supermarkt? Ja klar. Aber halt so, dass sie im Rückenwind wohnen, den Sonnenuntergang ungestört genießen und die nächste Zufahrt so clever gelegt ist, dass niemand durch die eigene Straße rollt.
Wieso ist das so egoistisch?
- Das Schutzgebiet beginnt am eigenen Zaun
Klimaschutz und Landschaftserhalt sind wichtig, aber nur, solange sie die eigene Komfortzone nicht berühren. Das Motto: „Ich habe mich rechtzeitig eingekauft, jetzt kann die Schranke zu.“ - Alle sind willkommen, solange sie keine Häuser bauen
Neue Menschen ja, neue Häuser nein. Kinder sollen Wohnraum finden, aber bitte im Nachbarort, oder besser: ganz woanders. - Infrastruktur für alle, aber nicht auf meiner Strecke
Natürlich wünschen sich alle weniger Stau, mehr Radwege, idealen Nahverkehr. Aber: Das neue Straßenprojekt, das den eigenen Vorgarten tangiert, ist natürlich eine Verschandelung der Landschaft. Wer möchte schon Busgeräusche frühmorgens? - Die große Illusion der Vergangenheit
„Früher war hier ja noch alles ruhig und schön…“ Stimmt, vor dem eigenen Hausbau war wirklich niemand da. Die verklärte Erinnerung ist eben meist Baujahr Eigenheim.
Fazit: Der „Ich-bin-was-Besonderes“-Effekt
Wenn ausgerechnet diejenigen, die selbst einst auf den grünen Wiesen gebaut haben, nun Wohnprojekte für nachfolgende Generationen ablehnen, dann steckt dahinter oft weniger Klimasorge als vielmehr ein prachtvolles Beispiel für „Ich war noch okay. Jetzt ist’s zu viel.“
Der echte Egoismus ist getarnt als Naturliebe, als Angst vor Verkehr oder Lärm und, seien wir ehrlich, vor allem als Sorge, der eigene Lieblingsblick könnte durch Menschen in Frage gestellt werden, die exakt die gleiche Idee hatten wie man selbst.
Am Ende bleibt eines sicher: Das nächste Haus stört immer, außer es ist das eigene. Und so trifft man sich dann beim Nachbarschaftsfest: die, die schon da sind und alle anderen, die einfach Pech hatten, ein paar Jahre zu spät geboren zu sein.
Bleiben Sie trotzdem offen für Neues. Sie wurden von der letzten Generation auch herzlich empfangen!







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