Es gibt Dinge, die sind so sicher wie das Amen in der Kirche: Die Fernbedienung ist immer weg, wenn man sie braucht. Der Akku ist immer leer, wenn’s spannend wird. Und: Jeder Mann im mittleren Alter besitzt irgendwo im Keller, auf dem Dachboden oder im Schrank eine Kiste voller Kabel. Nicht irgendeiner, sondern eine prall gefüllte Schatztruhe aus den technischen Untiefen der letzten 40 Jahre.
Von Cinch bis SCART – Die bunte Kabelsammlung
In dieser Kiste findet sich alles, was das Herz eines 90er-Jahre-Technikfans höher schlagen lässt:
- Cinch-Kabel (rot-weiß-gelb, die Nationalfarben der Nostalgie)
- Klinkenkabel in allen Größen (3,5mm, 6,3mm – für den Fall, dass man spontan ein Tonstudio aufbauen muss)
- SCART-Kabel (ein Monstrum, das aussieht wie ein Relikt aus der Steinzeit)
- S-Video, VGA, Parallelport, USB 1.0 – und natürlich mindestens ein Kabel, dessen Funktion niemand mehr kennt, das aber „bestimmt mal wichtig wird“.
Warum werden diese Kabel nie benutzt?
1. Evolution der Technik – schneller als die Kabelsammlung
Während die Kabelkiste Jahr für Jahr wächst, entwickelt sich die Technik mit Lichtgeschwindigkeit weiter. Fernseher, die noch SCART brauchen? Gibt’s seit 2010 nicht mehr. Cinch? Nur noch im Museum. Und selbst USB hat inzwischen mehr Generationen als manche Adelsfamilie.
2. Der Mythos des „Falls der Fälle“
Jeder Mann kennt das Mantra: „Das kann man bestimmt irgendwann nochmal gebrauchen!“ Vielleicht kommt ja der Tag, an dem der alte VHS-Rekorder wieder angeschlossen werden muss. Oder der legendäre Discman aus der Jugendzeit. Doch dieser Tag kommt nie. Und falls doch, fehlt garantiert das passende Gegenstück.
3. Kabel-Chaos und das Gesetz der Unauffindbarkeit
Sollte tatsächlich mal ein Kabel gebraucht werden, ist es garantiert nicht auffindbar. Die Kiste ist ein schwarzes Loch, in dem alles verschwindet – außer dem einen Kabel, das man sucht. Dafür tauchen fünf andere auf, die man noch nie gesehen hat.
4. Die Angst vor dem endgültigen Abschied
Kabel wegwerfen? Niemals! Das fühlt sich an wie das endgültige Eingeständnis, dass man alt wird. Außerdem: Wer weiß, vielleicht kommt die Technik ja wieder zurück? (Spoiler: Tut sie nicht.)
Das große Finale – Nach 10 Jahren ist Schluss
Nach einer Dekade voller Umzüge, Frühjahrsputz und technischer Revolutionen kommt der Tag der Wahrheit. Die Kiste ist verstaubt, die Kabel sind verknotet, und der letzte SCART-Anschluss ist schon längst im Elektroschrott. Spätestens, wenn die bessere Hälfte mit dem Finger auf die Kiste zeigt und fragt: „Wozu brauchst du das eigentlich noch?“, ist es soweit. Mit schwerem Herzen – und einem leisen Gefühl der Befreiung – wandert die Kabelkiste endlich in den Müll.
Fazit: Die Kabelkiste – Ein Männer-Mythos
Die Kabelkiste ist mehr als nur Elektroschrott. Sie ist ein Symbol für Hoffnung, Nostalgie und den ewigen Glauben an den „einen Tag“, an dem man das uralte Kabel doch nochmal braucht. Doch am Ende bleibt nur die Erkenntnis: Die Technik läuft weiter, die Kabel bleiben liegen – und irgendwann ist es Zeit, loszulassen. Bis dahin: Kabel rein, Deckel zu, weitermachen!
PS: Wer jetzt denkt, er könne seine Kabelkiste guten Gewissens entsorgen – keine Sorge. In spätestens zehn Jahren fängt alles wieder von vorne an. Versprochen!







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