Es ist 9 Uhr morgens, das erste Meeting des Tages beginnt. Du bist noch nicht ganz wach, der Kaffee wirkt noch nicht, aber schon nach den ersten drei Sätzen weißt du: Heute wird’s wieder knifflig. Denn Kollege Müller, der wandelnde Abkürzungs-Generator, ist am Start.

1. Die Firmenabkürzung als Geheimsprache

Kaum jemand beherrscht sie so wie er: die Kunst, aus jedem zweiten Wort eine Abkürzung zu machen. Da wird aus dem „Kundenbeziehungsmanagement-Tool“ plötzlich das „KBMT“, die „Quartalszielvereinbarung“ zur „QZV“ und das „Jahresabschlussmeeting“ zum „JAM“. Wer neu im Unternehmen ist, fühlt sich schnell wie in einem Escape Room: Ohne den geheimen Code kommst du hier nicht raus.

2. Das große Rätselraten

Während Kollege Müller mit leuchtenden Augen von der „EOP für das Q3 im CRM“ spricht, nicken alle scheinbar wissend. Doch innerlich googeln sie wild oder werfen sich verstohlene Blicke zu: „Weißt du, was EOP ist?“ – „Keine Ahnung, aber klingt wichtig.“ Am Ende des Meetings weiß niemand so genau, worum es eigentlich ging, aber alle sind froh, dass sie nicht nachfragen mussten.

3. Die Abkürzungs-Inflation

Das Problem: Mit jeder neuen Abkürzung wird die Kommunikation nicht etwa effizienter, sondern immer kryptischer. Was als Zeitersparnis gedacht war, wird zum Kommunikationshindernis. Spätestens wenn neue Kollegen dazustoßen, braucht man eine eigene Onboarding-Session nur für das firmeninterne Abkürzungs-ABC.

4. Die Angst, dumm zu wirken

Niemand will der oder die Dumme im Raum sein. Also wird fleißig mitgenickt, auch wenn man innerlich schon den dritten Kaffee braucht, um das „Q4-KPI-Review im B2B-Segment“ wenigstens irgendwie logisch zu finden. Nachfragen? Lieber nicht – wer weiß, ob das nicht schon wieder eine Abkürzung ist, die man kennen sollte.

5. Die universelle Übersetzungsmaschine

Wäre es nicht schön, wenn es eine App gäbe, die alle firmeninternen Kürzel automatisch entschlüsselt? Bis dahin bleibt nur: Mutig nachfragen, gemeinsam lachen und vielleicht mal wieder einen Satz ganz ohne Abkürzungen formulieren. Das fühlt sich dann an wie Urlaub für die Ohren.


Fazit:
Firmeninterne Abkürzungen sind wie Geheimsprache auf dem Pausenhof – sie schließen viele aus und machen das Arbeitsleben unnötig kompliziert. Wer wirklich verstanden werden will, spricht Klartext. Und wer trotzdem gerne abkürzt, sollte wenigstens das Abkürzungsverzeichnis gleich mitliefern. Sonst wird aus dem Meeting schnell ein MYST (Mysteriöses, Yberraschendes, Sprachliches Tohuwabohu).

Eine Antwort zu „Kryptische Akronyme“

  1. […] der sein Team quasi im Rucksack mitschleppt. Aber hey, der Neue braucht ja Zeit, um eure internen Abkürzungen (MYST: Meeting-Yberraschendes-Sprach-Tohuwabohu) zu knacken – Zeit, in der dein Team weiterhin […]

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