Mitarbeiter ticken nicht wie CEOs

Es gibt eine gewisse Sorte Chef, die sich jeden Morgen mit der Energie eines doppelt gezapften Espressos aus dem Bett katapultiert. Noch bevor Normalsterbliche den ersten Schluck Kaffee getrunken haben, tippt er schon motivierte Nachrichten in den Teamchat: „Let’s crush it today!“. Und spätestens da denken sich viele Mitarbeiter: „Na, der crasht mich gleich mit…“

Denn das Problem ist: Der CEO lebt in einer völlig anderen Realität. Er sieht Zahlen, Strategien, Investoren und sich selbst als Kapitän eines Highspeed-Schiffs, das niemals anhalten darf. Ein völlig verständlicher Zustand für jemanden, der faktisch am Steuer steht, die Richtung vorgibt und im Zweifel den Rettungsring aus Gold bekommt, falls das Schiff doch mal kentert.

Der Unterschied beginnt im Konto

Der CEO sieht seinen „Drive“ als moralisches Vorbild. Aber ehrlich gesagt: Würde man das gleiche Gehalt bekommen, das gleiche Auto fahren, den gleichen Bonus spüren, da würde wohl so mancher Mitarbeitende spontan auch nachts um 2 Uhr mit glänzenden Augen am Laptop hängen.
Motivation ist schließlich eine Frage der Perspektive. Wer auf einer Liege sitzt und den Sonnenuntergang sieht, empfindet Entspannung. Wer dieselbe Sonne durch die Neonröhre eines Großraum-Büros beobachtet, nennt das Überstunden.

Es ist fast schon süß, wenn ein Geschäftsführer ernsthaft glaubt, intrinsische Motivation ließe sich mit einem Pizza-Freitag und einem PowerPoint über „Teamspirit“ dauerhaft erzeugen. Viele vergessen: Mitarbeiter haben kein Aktienpaket, sie haben Miete.

Verantwortung vs. Lebenszeit

Natürlich hat der CEO Verantwortung. Er steht am Ende der Kette und muss schwierige Entscheidungen treffen. Aber Mitarbeiter investieren etwas, das sich nicht zurückkaufen lässt: Lebenszeit. Und das für ein Vielfaches weniger Gehalt. Wenn also ein CEO erwartet, dass alle dieselbe Leidenschaft empfinden wie er, ist das, als würde ein Marathonläufer sich wundern, warum die Leute auf der Tribüne nicht mitrennen.

Unternehmergeist ist keine Pflichtveranstaltung

Unternehmersein ist ein Lebensmodell, kein Jobprofil. Wer eine Firma aufbaut, trägt eine ganz andere emotionale Bindung in sich, eine Mischung aus Stolz, Adrenalin und leichter Selbstgeißelung. Leider ist diese Mischung nicht ansteckend. Für viele Angestellte ist Arbeit ein Teil des Lebens, nicht dessen Mittelpunkt.
Wenn also der CEO beim Mitarbeitergespräch sagt: „Ich wünsche mir mehr Drive! Mehr Ownership!“, dann wäre die ehrliche Antwort vermutlich: „Klar, gib mir 10 Prozent deiner Firmenanteile, und ich fang morgen damit an.“

Fazit

Erwartet man vom Team denselben Dauer-Drive, dieselbe Risikobereitschaft und die gleiche 24/7–Energie, vergisst man das kleine, aber entscheidende Detail: Motivation ist kein moralisches Konzept, sondern ein ökonomisches.
Man kann Herzblut nur dort verlangen, wo auch Blut fließt – und nicht nur Herz.

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