Wir schreiben das Jahr 2025: Der Marsflug ist in Planung, KI schreibt Liebesbriefe für Singles und im Wirtshaus ums Eck wird noch immer nur Bargeld genommen.
Man steht da, nach einem schönen Essen, das EC-Kartenlächeln in den Augen, greift zum Handy, öffnet schon halb automatisch Google Pay und dann kommt der Satz, der alles zerstört: „Nur Bargeld, bitte.“
Ein Schockmoment. Das Herz schlägt schneller, nicht aus Liebe, sondern aus purer Verzweiflung. Wer führt denn bitte noch Scheine mit sich, wenn selbst der Würstelstand am Bahnhof inzwischen NFC-fähig ist?
Szene 1: Der Plan scheitert an der Theke
Man ahnt nichts Böses, isst brav, genießt, lacht und dann trifft’s einen wie der Blitz: kein Kartensymbol am Eingang, kein Terminal an der Theke. Nur ein vergilbtes „Cash only“-Schild, das in seiner Rebellion fast schon Romantik ausstrahlt. Es fehlt nur noch die Handschrift: „Wehr dich gegen das System!“
In diesem Moment wird aus dem Gourmet-Gast plötzlich ein Amateur-Detektiv mit Smartphone, der panisch nach dem nächsten Bankomaten googelt. Distanz: 600 Meter. Natürlich bergauf. Natürlich mit Wind. Und natürlich zeigt der Automat am Ende: „Außer Betrieb“.
Szene 2: Die große Verschwörung der Kleingeldritter
Man fragt sich unweigerlich, warum 2025 noch jemand auf Bargeld besteht. Es gibt zwei plausible Theorien: Ignoranz oder Gier.
- Ignoranz, weil man den Fortschritt offenbar nur dann akzeptiert, wenn er in Form einer neuen Kaffeemaschine daherkommt.
- Gier, weil Transaktionsgebühren für manche Gastronomen klingen, als hätte Visa einen Privatstrand auf ihre Kosten gekauft.
Doch seien wir ehrlich: Die Gebühren sind längst kein echtes Argument mehr. Eine Handvoll Kunden, die wegen Kartenzahlung zusätzlich kommen, decken die Kosten locker. Und zwar nicht nur finanziell, sondern auch in Sachen Nerven.
Szene 3: Digitalisierung? Nur, wenn’s nicht piept.
Manchmal glauben diese Lokale ernsthaft, dass ihr analoger Charme die Leute anzieht. Doch das ist ein Irrtum. Wer heute kein Kartenterminal hat, hat auch kein WLAN, keinen Google-Eintrag mit Öffnungszeiten und wahrscheinlich eine Speisekarte, die noch in Word 97 gestaltet wurde. Das ist kein Retro-Flair mehr, das ist digitaler Darwinismus.
Denn mal ehrlich: 2025 ist Kartenzahlung kein Feature mehr. Sie ist wie fließendes Wasser oder Lichtschalter. Niemand lobt ein Lokal dafür, dass es Toilettenpapier auf Vorrat hat. Und genauso wenig sollte man eines feiern müssen, das kontaktlose Zahlung akzeptiert.
Szene 4: Der stille Protest des modernen Gastes
Ich persönlich ziehe in solchen Fällen konsequent die Bewertungswaffe. Fünf Sterne fürs Essen, minus zwei fürs Münztrauma, minus einen für das unweigerliche Herumkramen nach 50-Cent-Stücken. Bleiben zwei Sterne. Höflich kommentiert mit: „Lecker, aber leider nur 1998 kompatibel.“
Denn der Fortschritt lässt sich nicht aufhalten. Lokale, die Kartenzahlung noch immer verweigern, werden irgendwann so exotisch sein wie Faxgeräte oder CD-ROMs. Vielleicht eröffnen sie dann ein Museum: „Hier zahlt man noch wie damals!“
Bis dahin bleibe ich standhaft. Wer mein Geld will, soll den Piepton eines erfolgreich durchgezogenen Kartenbelegs aushalten können.







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