Dinge, die schlechte Führungskräfte triggern

Wer schon einmal mit einem besonders sensiblen Chef zusammengearbeitet hat, kennt sie: jene unantastbaren Herrscher im Maßanzug, die jeden Verbesserungsvorschlag so persönlich nehmen, als würde man ihre Kaffeemaschine beleidigen. Dabei ist das alles (Überraschung) kein Zeichen von Führungsstärke, sondern schlicht Unsicherheit.

Unsicherheit in der Chefetage hat nämlich viele Gesichter. Beginnen wir mit dem Klassiker: Neue Ideen im Team. Kaum sagt jemand etwas Kluges, was nicht aus der Chefetage stammt, zuckt es im Augenlid. Denn gute Ideen anderer sind gefährlich. Sie zeigen, dass man selbst vielleicht gar nicht immer der Hellste im Raum ist. Ein Gedanke, den das Ego eines unsicheren Chefs so mag wie der Hamster den Staubsauger. Das Kontrollbedürfnis wird dann zum Sicherheitsgurt fürs Selbstwertgefühl: Wer alles steuert, muss sich nicht fürchten, dass jemand glänzt.

Weiter geht’s mit Mitarbeiter, die Entscheidungen treffen. In funktionierenden Teams wäre das ein Traum. In unsicheren Welten ist es eine Bedrohung. Denn Selbstständigkeit riecht nach Machtverlust. Man stelle sich vor, das Team könnte ohne den Chef erfolgreich sein! Also lieber alles über den eigenen Schreibtisch laufen lassen, damit jeder weiß: Hier entscheidet einer – und das bin immer noch ich, auch wenn’s länger dauert.

Dann das Lieblingsthema: Feedback. Für stabile Persönlichkeiten ist Kritik ein Geschenk. Für unsichere Chefs ist sie wie ein Pfeil mitten ins fragile Selbstbild. Anstatt darüber nachzudenken, wird zurückgeschossen. Gerne mit dem Klassiker: „Das ist nicht konstruktiv!“ Übersetzt heißt das: „Ich will das nicht hören, es stört meinen inneren Monarchen.“

Kommen wir zum Lob anderer. Wenn jemand im Team Anerkennung bekommt, greifen unsichere Chefs im Kopf schon zum Taschenrechner: „Wie viel Applaus bleibt für mich übrig?“ Das Ego verlangt nach Exklusivrechten auf Bewunderung. Fremdlob ist da wie eine kleine Revolution. Und Revolutionen mag man oben bekanntlich ungern.

Noch gefährlicher: Wenn jemand über sich hinauswächst. Da wird schnell abgewiegelt oder kleingeredet: „War ja auch Teamleistung.” Logisch, sonst wäre ja jemand besser. Und das geht nicht. Unsicherheit zeigt sich hier in ihrer schönsten Form: der Kunst, andere kleiner zu machen, um selbst größer zu wirken.

Der ultimative Super-GAU für einen unsicheren Chef? Ein Team, das ohne ihn funktioniert. Was nach Traum-Szenario klingt, ist für Kontroll-Fans der blanke Horror. Denn wer nicht unentbehrlich ist, muss sich fragen, ob er überhaupt gebraucht wird. Eine Frage, die man besser verdrängt, denn sie kratzt an der Grundpfeiler-Illusion: „Ich bin die wichtigste Person hier.“

Zusammengefasst: Unsichere Chefs leben in einem permanenten Alarmzustand zwischen Kontrollverlust und Egoschmerz. Alles, was Kompetenz, Selbstständigkeit oder Teamgeist andeutet, wird zur potenziellen Gefahr. Sie wollen keine Mitarbeiter. Sie wollen Spiegel, die lächeln und nicken.

Doch Ironie des Ganzen: Mit jeder dieser Reaktionen bestätigen sie genau das, wovor sie sich fürchten. Denn wer wirklich sicher ist, kann andere glänzen lassen, ohne selbst zu verblassen. Der stabile Chef lehnt sich zurück, freut sich über kluge Köpfe im Team und weiß: Führung zeigt sich nicht darin, Licht zu schlucken, sondern darin, es zu verteilen.

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..

Alles geht – nix muss

Seien es Likes auf Beiträge, Follows in den anderen Channels oder Input für weitere unterhaltsame Themen. Ich freue mich über jegliche Unterstützung.

Join the club

Stay updated für die neuesten Absurditäten.