„Du machst es dir aber auch leicht. Oder?“

Dieser Satz fällt meist mit leicht erhobenem Augenbrauenschwung, irgendwo zwischen moralischem Urteil und leichtem Neid. Das Schöne (und Absurde) daran: Er tut so, als wäre „es sich leicht machen“ eine Todsünde, dabei ist es schlicht gesunder Menschenverstand.

Fangen wir doch ganz vorne an: Niemand steht morgens auf, reibt sich die Augen und sagt: Heute erschwere ich mir mein Dasein maximal! Ich park extra zwei Kilometer entfernt, koche das komplizierteste Gericht aus einem 600‑seitigen Kochbuch und fülle Steuerformulare in Schönschrift aus, nur um das Leben richtig zu spüren. Nein, wir entwickeln Strategien, um Dinge bequemer, klüger, effizienter zu erledigen – kurz: wir denken. Und Denken führt, Überraschung, oft zur leichten Lösung.

Ein paar Beispiele aus dem Alltag:

  • Der Weg ohne Umweg: Du weißt, wie du mit einem Klick ans Ziel kommst, während andere noch Menüs durchklicken wie Archäologen beim Ausgrabungsfund.
  • Das Schälmesser-Prinzip: Wieso mühselig eine Orange mit der Hand schälen, wenn das Schälmesser dir das Fruchtfleisch praktisch serviert? (Ausgenommen natürlich jene, die das als Charaktertest verstehen.)
  • Die smarte Abkürzung: Du nutzt ChatGPT, um Texte eleganter zu formulieren. Wer sagt denn, dass Inspiration nur durch Leiden entsteht?
  • Der digitale Einkaufszettel: Statt Zettelwirtschaft am Kühlschrank tippst du’s ins Handy. Und plötzlich heißt es: „Du machst es dir aber leicht.“ Genau. Mission erfüllt.

Manche Menschen verwechseln Mühe mit Moral. Sie glauben, nur das, was schmerzt, zählt. Ein Brotteig, der vier Stunden Ruhe braucht, sei „echter“ als einer aus der Brotmaschine. Ein Spaziergang ohne genaues Ziel sei sinnlos. Und wer für eine Lösung weniger Zeit braucht als andere, müsse etwas „abgekürzt“ haben. Dabei ist Abkürzen nichts anderes als: verstanden haben, worum’s geht.

Die Ironie: Der Vorwurf, man mache es sich leicht, kommt fast nie von jemandem, der das schwere Leben genießt. Sondern von jemandem, der heimlich denkt: Schade, dass ich nicht selbst auf die Idee gekommen bin.
Das ist ein bisschen wie in der Schule, der schlauere Sitznachbar, der mit einem Trick die Matheaufgabe löst, wird nicht für seine Genialität beneidet, sondern dafür kritisiert, dass es „nicht fair“ war. Obwohl das Ziel, die richtige Lösung, identisch ist.

Und Hand aufs Herz: Das Leben ist von Natur aus schon schwer genug. Man braucht keine künstlichen Zusatzgewichte. Kein Mensch baut sein Haus absichtlich aus Ziegelstein statt aus Holz, nur „damit’s länger dauert“. Kein Läufer bindet sich freiwillig einen Stein an den Knöchel, um zu zeigen, wie ernst er seine Disziplin nimmt. Warum also sollte man im Alltag Stolz daraus ziehen, sich selbst Hindernisse in den Weg zu legen?

Am Ende ist es die höchste Kunst, es sich leicht zu machen. Nämlich dann, wenn man weiß, wie’s geht. Effizienz ist kein Mangel an Anstrengung, sondern das Resultat von Erfahrung. Der Zimmermann, der eine Tür perfekt einhängt, „macht es sich leicht“, weil er weiß, was er tut. Die Köchin, die intuitiv würzt, macht es sich leicht, weil sie’s kann. Leichtigkeit ist nicht Faulheit, sie ist Professionalität in Bewegung.

Also, das nächste Mal, wenn jemand mit leichtem Vorwurfston sagt: „Du machst es dir aber auch leicht“, einfach lächeln und antworten:
„Danke! Das war das Ziel.“

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..

Alles geht – nix muss

Seien es Likes auf Beiträge, Follows in den anderen Channels oder Input für weitere unterhaltsame Themen. Ich freue mich über jegliche Unterstützung.

Join the club

Stay updated für die neuesten Absurditäten.