Die kuriosen Farbnamen der Pferde

Pferdeleute sind ein eigenes Völkchen – das merkt man spätestens, wenn sie anfangen, über die Fellfarben ihrer Vierbeiner zu sprechen. Denn während Otto Normalverbraucher bei „braun“, „weiß“ und „schwarz“ bleibt, zaubert der Pferdemensch eine ganze Palette an Begriffen hervor, die klingen wie die Speisekarte eines mittelalterlichen Gasthauses. Hier kommt eine Auswahl der schillerndsten Pferdefarben – und eine humorvolle Erklärung, warum das nur bei Pferden so ist.

Die berühmtesten Pferdefarben und ihre Namen

  • Schimmel: Ein weißes Pferd – das aber eigentlich als Fohlen dunkel geboren wird und erst mit der Zeit „ausgraut“, bis es fast ganz weiß ist.
  • Rappe: Ein tiefschwarzes Pferd, so dunkel, dass selbst die Nacht neidisch wird.
  • Fuchs: Ein Pferd in sattem Rotbraun, manchmal mit Mähne und Schweif in der gleichen Farbe oder heller („Goldfuchs“).
  • Brauner: Klingt einfach, ist aber komplex – ein Pferd mit braunem Fell und schwarzer Mähne, Schweif und Beinen.
  • Falbe: Ein sandfarbenes Pferd mit schwarzem Aalstrich auf dem Rücken und oft „Zebrastriemen“ an den Beinen – quasi das Zebra light.
  • Isabell: Ein cremefarbenes, fast gelbliches Pferd, benannt nach einer spanischen Königin, die angeblich ihr Hemd nie wechselte – daher der „ungewaschene“ Ton.
  • Palomino: Goldglänzendes Fell mit weißer Mähne – das Barbiepferd unter den Farben.
  • Schecke: Ein Pferd mit auffälligen weißen und farbigen Flecken – das Kuhmuster für Fortgeschrittene.
  • Dunkelfuchs, Lichtfuchs, Kohlfuchs: Fuchs ist nicht gleich Fuchs! Es gibt sie in allen Schattierungen von Karottenorange bis Mokkabraun.
  • Apfelschimmel: Ein Schimmel mit runden, dunkleren Flecken – wie ein Apfel, nur weniger vitaminreich.
  • Windfarben: Ein sehr helles Pferd, das aussieht, als hätte es der Wind fast weggeweht.

Warum das nur bei Pferden so ist

Stellen wir uns vor, wir übertragen diese Namensvielfalt auf andere Tiere oder gar auf den Alltag:

  • „Oh, was für ein hübscher Apfelschimmel-Dackel!“
  • „Mein Kaninchen ist ein klassischer Kohlfuchs.“
  • „Der BMW in Isabell steht Ihnen aber gut!“

Klingt komisch? Genau! Nur bei Pferden geht das durch – und das hat Gründe:

1. Pferde waren früher Statussymbole

Wer viele Pferde hatte, brauchte viele Begriffe, um sie zu unterscheiden. „Bring mir den Braunen mit dem Aalstrich, nicht den Falben mit den Zebrastriemen!“ – das klingt einfach edler als „den da, der nicht weiß ist“.

2. Pferdeleute lieben Details

Für Pferdefans ist das Leben zu kurz für grobe Farbbezeichnungen. Sie sehen Unterschiede, wo andere nur „braun“ sehen – und sie diskutieren darüber mit einer Leidenschaft, die sonst nur Fußballfans kennen.

3. Tradition und Stolz

Die Namen sind oft Jahrhunderte alt und klingen nach Ritterturnier und Märchenwald. Wer will schon ein „weißes Pferd“, wenn er einen „Schimmel“ haben kann?

4. Pferde sind eben keine Autos

Während beim Auto „silber“ reicht, muss es beim Pferd schon „Falbe mit Mehlmaul, Aalstrich und Zebrastreifen“ sein. Schließlich ist jedes Pferd ein Unikat – und das will gewürdigt werden!

Fazit – Die Farblehre als Gesellschaftsspiel

Die Welt der Pferdefarben ist ein bisschen wie ein geheimes Gesellschaftsspiel: Wer die Begriffe kennt, gehört dazu. Wer sie nicht kennt, steht ratlos am Rand der Weide. Aber keine Sorge: Mit ein bisschen Übung kann jeder zum Farbexperten werden – und beim nächsten Ausritt mit dem „Windfarbenen Apfelschimmel“ ordentlich Eindruck schinden. Bis dahin gilt: Einfach genießen, wie bunt die Welt der Pferde ist – und wie kreativ ihre Fans!

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