Die Kunst des Leidens bei Hitze

Man kennt sie – und vielleicht ist man ja selbst einer: Die Meister*innen des Sommerleids. Während andere bei 35 Grad im Schatten fröhlich Eis schlecken oder sich ins Freibad stürzen, beginnt für diese Menschen die wahre Hochsaison des Grantelns. Ihre Superkraft? Für jedes noch so logische Angebot zur Abkühlung eine ebenso logische Ablehnung zu finden. Lassen wir sie doch einmal selbst zu Wort kommen!

Klimaanlage? Um Gottes Willen!

„Klimaanlage? Nein, danke! Die Luft ist dann so trocken, dass ich nach fünf Minuten aussehe wie eine Rosine. Außerdem, wer weiß, was da alles an Keimen durch die Gegend gepustet wird? Und dann noch der Stromverbrauch! Nein, nein, lieber schwitze ich weiter – das ist wenigstens natürlich.“

Ventilator? Bloß nicht!

„Ventilator? Das ist ja noch schlimmer! Dieser ständige Luftstrom, der mir ins Gesicht bläst – da bekomme ich sofort Zugluftnacken und meine Frisur sieht aus wie nach einem Tornado. Außerdem, wer will schon im eigenen Wohnzimmer das Gefühl haben, auf einem Motorroller zu sitzen?“

Fenster öffnen? Niemals!

„Fenster aufmachen? Da zieht’s doch! Und draußen ist es eh noch heißer als drinnen. Außerdem kommen dann die ganzen Pollen, Mücken und Nachbars Grillgerüche rein. Da bleibe ich lieber im eigenen Saft.“

Pool? Viel zu anstrengend!

„Pool? Ach, das klingt ja erstmal nett, aber da muss man sich ja ständig umziehen. Erst Badehose an, dann wieder aus, dann sind die Haare nass, dann muss man duschen… Und überhaupt, das Chlor trocknet die Haut aus und meine Lieblingsente ist auch schon seit Jahren nicht mehr aufblasbar.“

Die wahre Leidenschaft: Das Leiden selbst

Woran liegt es, dass diesen Menschen einfach keine Lösung recht ist? Ganz einfach: Das Leiden an der Hitze ist längst zur olympischen Disziplin geworden! Wer braucht schon Abkühlung, wenn man sich stattdessen mit Hingabe über das Wetter, die Lösungen und die eigene Unabkühlbarkeit beschweren kann? Es ist fast schon ein Ritual, ein sommerliches Hobby – und vielleicht auch ein bisschen Identität.

Denn mal ehrlich: Was wäre der Sommer ohne den einen Kollegen, der schon morgens um acht stöhnt: „Heut wird’s wieder unerträglich heiß!“? Oder die Nachbarin, die mit verschränkten Armen am Fenster steht und grantelt: „Früher war das alles nicht so schlimm!“

Fazit: Lasst sie granteln – es ist ihr Sommer!

Am Ende des Tages ist das grantige Leiden bei Hitze vielleicht einfach der Versuch, dem Wetter wenigstens ein bisschen Kontrolle abzutrotzen. Und wer weiß – vielleicht hilft das Jammern ja tatsächlich ein kleines bisschen bei der Abkühlung. Schließlich ist geteiltes Leid bekanntlich halbes Leid. Also: Lasst sie granteln, reicht ein Glas lauwarmes Wasser und genießt den Sommer – jeder auf seine Weise!

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